Getöteter Jagdhund in der Abfalltonne der Tötungsstation in Sopron © Jürg Christandl

Im Zuge unserer Arbeit für Kettenhunde entwickelte sich auch unser Hunderettungsprojekt in Ungarn. Wir mussten nämlich die bittere Erfahrung machen, dass herrenlose Hunde und solche, die aus irgendeinem Grund nicht mehr erwünscht sind, in Ungarn einfach in sogenannte Abdeckereien kommen, die meist Mülldeponien oder örtlichen Tierkörperverwertungen angeschlossen sind…

Tötung in Sopron

Dort sitzen die Tiere in kleinen Käfigen, meist 2 Wochen lang, werden nur notdürftigst mit Futter und Wasser versorgt, mancherorts auch gar nicht, um nach Ablauf dieser Frist getötet zu werden oder von selbst zu verhungern und zu verdursten. Wir begannen, diese todgeweihten Tiere herauszuholen und gute Plätze für sie zu suchen, was sich als sehr zeitraubendes, opfervolles und kostenintensives Unterfangen erwiesen hat. Da wir das Elend in den Käfigreihen der Abdeckereien ständig vor Augen hatten (und immer noch haben!), die Todesangst in den Augen der Tiere, die bittenden Blicke, das verzweifelte Winseln, wenn wir hinkamen, kämpften wir mit aller Kraft um jedes einzelne Leben und – da wir meist nicht alle Todeskandidaten auf einmal herausholen konnten – setzten wir alles daran, um Plätze oder Pflegeplätze zu finden, oder einfach fürs erste irgendeine lebensrettende Notunterkunft, und machten es uns zum obersten Grundsatz, jene die wir aus Platzmangel hatten zurücklassen müssen, baldmöglichst zu retten. Und so war es auch: Wir haben den Hunden, die wir nicht sofort mitnehmen konnten, immer versprochen, sie zu retten, und das taten wir dann auch innerhalb von Tagen. Wir haben alle gerettet, egal wie jung oder alt, wie gross oder klein, wie schön oder unansehnlich, wie freundlich oder abweisend, wie gesund oder krank sie waren. Hin und wieder hat es einer nicht geschafft und war nicht mehr am Leben, wenn wir wiederkamen, obwohl wir dem Wärter versicherten, dass wir kommen würden, Trinkgelder gaben und alles taten, um die Zurückbleibenden abzusichern. Wenn einer trotzdem starb, hat uns das unendlich traurig gemacht.

Aber wissentlich  – so wie leider viele Personen oder Vereine, die vorgeben, Tierschützer zu sein und sich nur die Jungen, Schönen und Vermittelbaren herausholen, und die anderen ohne Hilfe im Elend zurücklassen –  haben wir nie einen zum Sterben zurückgelassen.

Die Anfänge

Angefangen haben wir 1996, als wir im Zuge unseres damals begonnenen Kettenhundeprojekts die Tötungsanstalten in Sarvar und bald darauf in Sopron entdeckten und in der Folge alle Hunde und, wenn vorhanden, auch Katzen von dort vor dem sicheren Tod retteten. Die Bedingungen in Sarvar waren extrem grauenhaft, die Hunde schutzlos eisiger Kälte ausgesetzt, sie vegetierten ohne Wasser und Futter in kleinen Käfigen, deren Boden mit einer dicken Schicht von eingetrockneten und frischen Exkrementen bedeckt war. Doch in Sarvar stiessen wir damals auf einen sehr kooperativen und tierschutzengagierten Bürgermeister, von Beruf selbst Tierarzt, dem die Schliessung dieser Tötungsanstalt ein grosses Anliegen war. Nachdem wir 2 Jahre lang Woche für Woche alle Todeskandidaten von dort gerettet und österreichische und englische Journalisten gewonnen hatten, über diesen Tierskandal zu berichten, erreichten wir unser Ziel, und die ATEV, die zentrale westungarische Tierkörperverwertung, durfte keine lebenden Hunde mehr halten. Bei Kontrollbesuchen fanden wir die Käfigreihen abgebaut.

Freilich endeten die in Sarvar und Umgebung gefangenen Hunde in anderen Tötungsanstalten, vor allem in der von Celldömölk die wir bald darauf entdeckten.

Celldömölk
Gyözö Schimmer mit ausgesetztem Hund
Wie sich die Tötungsanstalt von Celldömölk durch das vorbildliche Engagement des dort zuständigen Leiters zu einem Beispiel für praktizierten Tierschutz entwickelte

Es geht auch so: Als wir die Tötungsanstalt von Celldömölk im Jahr 2000 entdeckten und von da an regelmässig alle Hunde auch von dort retteten, bestand sie aus 5 kleinen vergitterten Käfigen, in denen sich grössere Hunde nicht einmal aufrichten oder umdrehen konnten. Während wir aber in anderen Hundedeponien durchwegs mit grosser Brutalität und Erschwernissen zu kämpfen hatten, erwies sich der zuständige Mann in Celldömölk bald schon als sehr kooperativ und versicherte uns, wie froh er war, dass wir die Hunde retteten und sie dadurch überlebten. Er begriff, worauf es uns ankam, und entwickelte einen grossen Ehrgeiz, auch selbst Tieren zu helfen, wo er nur konnte. Mit viel Fleiss und Eigeninitiative verwandelte Schimmer Gyözö (siehe Foto), der behördlich bestellte Hundefänger von Celldömölk,  nach und nach seine Tötungsanstalt in eine vorbildliche Hundeherberge, aus der später die Quarantänestation für unser nahegelegenes Tierheim werden sollte. Eigenhändig errichtete Gyözö Schimmer 20 überdachte Zwinger, alle mit stabilen Hundehütten, Futter- und Trinknäpfen ausgestattet, die er täglich zweimal reinigte und so für hygienisch einwandfreie Bedingungen sorgte. Darin fanden die ausgesetzten und verstossenen Schützlinge oft bessere Bedingungen vor als sie es bisher gewohnt waren. Wenn es die spärliche Freizeit des Familienvaters und hauptberuflich im Spital Angestellten erlaubte, führte er die Hunde spazieren, kranke oder verletzte Tiere brachte er zum Tierarzt, alle zur Kastration und pflegte sie gesund. Geduldig wartete er oft monatelang, bis wir Plätze für seine Schützlinge gefunden hatten. Dass hier keine Hunde mehr getötet wurden, war Ehrensache! Gyözö Schimmer ist mit Recht stolz darauf, aus eigener Kraft und mit seinen eigenen Händen eine Anlage geschaffen zu haben, die nichts Vergleichbares in Ungarn hat. Freilich war das nur möglich, weil wir wöchentlich kamen und die Hunde mitnahmen, Futter brachten und die Kosten für tierärztliche Versorgung und Operationen trugen.  Auch wir sind stolz auf dieses Ergebnis guter Zusammenarbeit und finden, dass dieses Beispiel in ganz Ungarn Schule machen sollte. Ein engagierter ungarischer Bürger hat es vorgezeigt, wie alle Tötungsstationen abgeschafft werden könnten und müssten!!!

Pápa
armer alter Kettenhund bewacht die Tötungsstation Pápa

Aufgrund der Nähe unseres Tierheims zur Stadt Pápa entdeckten wir auch die dortige Tötungsstation, die sich als die schlimmste in ganz Westungarn erwies. Die Hunde vegetierten dort ohne Wasser und Futter in Kojen dahin, die Bodenflächen waren mit Exkrementen bedeckt, viele überlebten diese Qualen nicht, sondern starben einen langsamen schmerzvollen Tod. Die Überlebenden waren völlig ausgetrocknet und bis zum Skelett abgemagert. Niemandem war es erlaubt, diese Tötungsanstalt zu betreten und nur hinter vorgehaltener Hand erfuhr man über die schrecklichen Tierquälereien, die sich dort abspielten.

Schliesslich konnten wir erreichen, dass Gyözö Schimmer aus Celldömölk Zutritt zur Tötungsanstalt in Papa bekam und von dort die Hunde wöchentlich herausholte und kurzfristig bei sich unterbrachte, bis wir sie abholten. Nur so gelang es uns, sie vor dem sicheren Tod zu retten. Durch den Kontakt mit Herrn Schimmer erfuhr man in Papa von den viel besseren Bedingungen der Hundeunterkünfte in Celldömölk und baute eine Anlage nach deren Beispiel. So erhielten die Hunde in der Tötung in Papa kleine Zwinger anstelle von winzigen Käfigen in einem dunklen Schuppen. Sie waren immer noch eng eingesperrt, aber konnten wenigstens einige Schritte tun. Weiterhin bekamen sie kein Futter und Wasser, ihre Zwinger wurden nicht geputzt, gesunde freundliche Hunde, die dort hineinkamen, kamen verwahrlost, dehydriert, krank und abgemagert aufs Skelett von dort heraus, wenn sie überhaupt überlebten.

Nachdem wir aufgrund dieser sehr tierquälerischen Haltung vehement protestiert hatten, verbesserten sich die Zustände nach einem mehrstündigen ausführlichen von Gabriele Jacoby geführten Gespräch im Bürgermeisteramt ein wenig. Auch konnten wir ein gutes Verhältnis zu dem jungen Wärter und seiner Frau entwickeln. Dennoch ist die Haltung der Hunde dort sehr verbesserungsbedürftig.

Gaby Jacoby führte Verhandlungen im Bürgermeisteramt in Papa

Wenn Sie, liebe Touristen, in Pápa den einzigen Fünf-Sterne-Campingplatz Europas besuchen, wo Hunde ihren eigenen Swimmingpool haben, dann bitte besuchen Sie doch auch die nahegelegene Tötungsstation und sehen Sie nach, ob die Haltungsbedingungen dort wirklich besser geworden sind.

Sopron
alter Schäfer, in Tötungsstation Sopron ensorgt

Die Tötungsanstalt in Sopron, aus der wir seit 1997 alle Hunde retteten, war ständig überfüllt. Aufgrund der schrecklichen Zustände und der horrenden Verschmutzung waren sehr viele Hunde schwer krank, wenn wir sie herausholten. Die Tierarztkosten waren so enorm, dass wir in ständiger Furcht lebten, unser Projekt aufgeben zu müssen. Die meisten Hunde konnten ausserdem nicht sofort plaziert werden und mussten vorübergehend in Tierpensionen untergebracht werden, was uns, da wir es uns nicht leisten können, einen Schuldenberg bescherte. Durch unsere konsequenten wöchentlichen Rettungsfahrten, die wir ebenso wie unsere gesamte sonstige Tierschutzarbeit ehrenamtlich und neben unseren Hauptberufen durchführten, kamen wir in ärgste Bedrängnis.

Gaby Jacoby bei Verhandlungen in Sopron

Durch einen Zufall lernten wir in dieser Tötungsstation die prominente österreichische Schauspielerin und Tierschützerin Gaby Jacoby kennen, die sich sofort mit grösstem Einsatz unserer Anliegen annahm und alles tat, um die Zustände in Sopron und auch in den anderen Tötungsstationen zu verbessern. Sie führte lange zähe Verhandlungen mit den zuständigen Behörden in Sopron und schliesslich erreichte sie, dass die winzigen Käfige im Innern des Hauses nur mehr für die Aufnahme der Hunde während der ersten 14 Tage dienten, und dass ausserhalb des Schuppens überdachte Zwinger errichtet wurden, mit besseren Haltungsbedingungen für die Hunde.

Schliesslich – und das war der grösste Verhandlungserfolg – wurde ihr zugesichert, dass in der Tötungsstation in Sopran keine Tötungen mehr stattfinden würden und dass die Hunde wie in einem Tierheim bis zur Abholung durch neue Besitzer gehalten würden. Parallel dazu informierte die Stadt Sopron durch eine Flugblattaktion ihre Bürger über richtige verantwortungsvolle Haustierhaltung und warnte vor unüberlegter Aufnahme von Tieren und auch vor deren Entsorgung in der Tötung!

Trotz dieser wirklich vorbildlichen Entscheidungen und Aktivitäten fehlt in Sopron ein gut geführtes tiergerechtes Tierheim mit genügend Platz für viele Tiere. Die mit Luxusbauten vollgepflasterte Stadt Sopron hat zwar für Modernisierungen aller Art das nötige Geld, unserem Wunsch, doch ein dringend benötigtes Tierheim anstelle der Tötungsanstalt zu errichten, wurde aber nie entsprochen.

Viele Österreicher kaufen regelmässig in Sopron ein. Liebe Tierfreunde, wenn Sie in Sopron sind, bitte gehen Sie auch ins Rathaus, wo man gut Deutsch versteht, und beschweren Sie sich darüber, dass Sopron für alles Geld hat, nur nicht für ein Tierheim. Es ist eine Schande, dass diese Stadt immer noch eine notdürftig und keinesfalls tiergerecht umfunktionierte Tötungsanstalt als eine Art „Not-Tierheim“ betreibt.

Die mit Luxusbauten vollgepflasterte Stadt Sopron hat zwar für Modernisierungen aller Art das nötige Geld, unserem Wunsch, doch ein dringend benötigtes Tierheim anstelle der Tötungsanstalt zu errichten, wurde aber nie entsprochen.
Szombathely
Ohne Wasser, ohne Futter, jedem Wetter ausgesetzt, auf Gitterrost stehend, starben viele Hunde an den Strapazen in diesen Todeskäfigen…

Durch den tierschutzengagierten Tierarzt Dr. Varju Gabor entdeckten wir die Tötungsstation in der grossen Stadt Szombathely mit grauenvollen Käfigen, die ohne jeden Wetterschutz im Freien standen, in die es hineinregnete und schneite, auf die die pralle Sonne herabglühte und in denen die armen Hunde auf blossem Gitterrost standen, damit der Kot durchfallen konnte, ohne Wasser, ohne Futter! Die besonders tierquälerischen Zustände, die wir in dieser Deponie vorfanden und die in der Folge trotz unserer regelmässigen Rettungsaktionen noch vielen Tieren das Leben kosten sollten, wurden erst gelindert, als wir erreichten, dass die Stadt Szombathely einige kleine überdachte Zwinger anstelle der Käfige errichtete. Dank der grosszügigen Spende einer oberösterreichischen Tierfreundin konnten wir sehr solide wetterfeste isolierte Hundehütten ankaufen und die kleinen Ausläufe damit ausstatten – eine Riesenerleichterung für die armen Insassen der Tötungsstation.

Mosonmagyarovar

Zuletzt begannen wir, auch aus der Tötungsstation in Mosonmagyarovar Woche für Woche alle Hunde zu retten. Auch dort herrschten furchtbare Bedingungen. Wir hielten unsere Rettungsaktionen jahrelang durch. Als es immer schwieriger wurde, gute Plätze zu finden und die Hunde unterzubringen, waren wir sehr erleichtert, als ein ungarischer Tierschutzverein in Mosonmagyarovar begann, sich eigenständig um die Hunde in der Tötung zu kümmern.


Zwischen 1996 und 2016, also im Zeitraum von 20 Jahren, retteten wir rund 20.000 Hunde und unzählige Katzen aus Tötungsstationen. Wir danken allen verantwortungsvollen Tierfreunden, die eines oder mehrere unserer Tiere aufgenommen und ihnen ein gutes Zuhause geschenkt haben! Wir danken auch allen Tierheimen, die diese Todeskandidaten aufgenommen und uns damit entscheidend geholfen haben, ihr Leben zu retten!

Bitte spenden Sie jetzt –  und helfen Sie uns, dem Tierleid ein Ende zu bereiten!

ANIMAL LIFE Spendenkonto PSK,

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